Körnerpark
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Freiluftkino im Körnerpark 2016

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In diesem Sommer gibt es wieder erstklassiges und interessantes Kino unter freiem Himmel im Körnerpark, und weil das Projekt ab nächstem Jahr nicht mehr gefördert wird, werden nocheinmal 5 Filme gezeigt.

Die Vorführungen finden am 8.7.2016, 22.7.2016, 5.8.2016, 19.8.2016 und 2.9.2016 jeweils um 20:30 Uhr an der Ecke Jonasstraße / Selkestraße statt. (Bei schlechtem Wetter muss niemand im Regen stehen: Die Filme werden dann in der WerkStadt, Emser Straße 124 gezeigt)

Der Eintritt ist wie immer frei, aber über Spenden freut sich das Projekt.

Freitag 8. Juli 2016 – 21:00 Uhr: Babai
Spielfilm, Deutschland 2016, 104 Minuten, Albanisch/Serbisch/Deutsch mit deutschen Untertiteln
Regie: Visar Morina

Der zehnjährige Nori und sein Vater Gezim verkaufen zusammen Zigaretten auf den Straßen des Vorkriegskosovo der 90er Jahre. Auf Noris Mutter möchte Gezim nicht angesprochen werden. Der Vergangenheit zu entfliehen gehört zur Stärke des Vaters. Nun will er dem Kosovo entfliehen, ohne Nori. Doch der Sohn stellt sich quer und versucht mit allen Mitteln ihn davon abzuhalten. Es kommt zu einem Unfall. Der entsetzte Vater bringt seinen Sohn ins Krankenhaus. Als Nori entlassen wird, ist sein Vater heimlich gegangen. Voller Wut und Entschlossenheit folgt er ihm auf diese gefährliche Reise und findet tatsächlich seinen Vater in Deutschland wieder. Mit kindlicher Konsequenz konfrontiert er ihn mit seiner Tat, die er ihm nicht verzeihen kann. Dieser Film hat eine kindliche Naivität, eine Dringlichkeit, und eine Schönheit die man bei vielen anderen Filmen zu diesem Thema leider vergeblich sucht. Ein großes Stück persönliches Kino.

Freitag 22. Juli 2016 – 21:00 Uhr: HEIL
Spielfilm, Deutschland 2015, 104 Minuten, Deutsche Originalfassung
Regie: Dietrich Brüggemann

Willkommen in Prittwitz. Der gefeierte afrodeutsche Autor Sebastian Klein ist auf Lesereise in der ostdeutschen Provinz und wird von den ortsansässigen Neonazis mit einem Schlag auf den Kopf begrüßt. Sebastian verliert prompt sein Gedächtnis und plappert nun in Talkshows und bei Aufmärschen alles nach, was man ihm sagt. Seine schwangere Freundin macht sich auf die Suche nach ihrem Mann, doch da die Dorfpolizei total unfähig ist, beim Verfassungsschutz die rechte Hand nicht weiß was die Linke tut, die Politik gekonnt wegschaut und auch die Antifa keine wirkliche Hilfe ist, rückt die Invasion Polens unaufhaltsam immer näher. Ja, es ist eine Schmierenkomödie. Aber wenn man sich anschaut, wie der Staat im Umgang mit dem NSU versagt hat, und rechte Demagogen wieder Zulauf finden, dann ist das erschreckend nah an der Wirklichkeit.

Freitag 5. August 2016 – 21:00 Uhr: Staatsdiener
Dokumentarfilm, Deutschland 2015, 80 Minuten, Deutsche Originalfassung
Regie: Marie Wilke

Staatsdiener begleitet das spannende und nervenaufreibende erste Studienjahr von Studenten an der Polizeischule und während ihres Praktikums auf Streife in Sachsen-Anhalt. Der Film zeigt junge Menschen, die lernen, sich für Recht und Gesetz einzusetzen – und die manchmal auch an ihrer neuen Rolle und der Härte der Realität auf der Straße scheitern. Zum ersten Mal begleitet ein Dokumentarfilm ohne jegliche Einschränkung oder Zensur die Ausbildung junger Polizisten. Der Film zeigt eine verborgene und unbekannte Welt: Die Welt der Polizeischule. Er ermöglicht damit einen Blick hinter die Kulissen des Polizeiapparates und erzählt gleichzeitig auch eine Geschichte vom Erwachsenwerden unter erschwerten Bedingungen. Selten war ein kommentarloser Film ein deutlicherer Kommentar auf die Fragen, die unsere Gesellschaft gerade umtreiben.

Freitag 19. August 2016 – 21:00 Uhr: Als wir träumten
Spielfilm, Deutschland 2015, 117 Minuten, deutsche Originalfassung
Regie: Andreas Dresen

Eine Leipziger Jungenclique in der frühen Nachwendezeit: Dani, Rico, Mark und Paul probieren sich aus in der neuen Zeit nach der Wende und dem Ende der DDR. Sie klauen Autos, probieren Drogen und gründen ihre eigene Diskothek. Auseinandersetzungen mit glatzköpfigen Neonazis, Ricos Hoffnung auf eine Boxkarriere und Danis Sehnsucht nach der großen Liebe zu “Sternchen” werden zu einem Weg ins große Scheitern. Andreas Dresen zeichnet schlicht gesagt ein Lebensgefühl auf die Leinwand. So chaotisch, so hoffnungsvoll und so brutal wie das Leben von Teenagern direkt nach der Wende.

Freitag 2. September 2016 – 21:00 Uhr: Höhere Gewalt
Spielfilm, Sweden 2014, 118 Minuten, deutsche Synchronfassung
Regie: Ruben Östlund

Alles beginnt mit einem Skiurlaub einer schwedischen Familie in den französischen Alpen. Bis eines Tages eine Lawine auf das Hotel zu rast und droht die Familie zu verschütten. Der Vater jedoch schnappt sich das wichtigste in seinem Leben (sein Handy) versucht zu fliehen und lässt seine Frau zusammen mit den zwei Kindern zurück. So zumindest lautet die Version seiner Frau. Er selbst sieht das natürlich anders. Die Ehe fängt an zu bröckeln, und es scheint so, als würde dieses Skigebiet alle Naturgewalten daran setzen, dass die Ehe auch wirklich scheitert. Es entwickelt sich ein packendes Familiendrama, das an Absurdität, Komik und psychologischer Präzision seinesgleichen sucht. Selten wurden klischeehafte Vorstellungen von Männlichkeit klarer seziert. Ein großartiger Film, den man gesehen haben muss. Es sei denn, man hat gerade selbst Beziehungsschwierigkeiten. In diesem Falle sei Vorsicht geboten.

Mehr Informationen: WerkStadt , Emser Straße 124, 12051 Berlin