Körnerpark
Neukölln auf Twitter Neukölln auf Facebook

Freiluftkino im Körnerpark 2017

« Zurück

In diesem Sommer gibt es wieder erstklassiges und interessantes Kino unter freiem Himmel im Körnerpark. Die Vorführungen finden am 3.8.2017, 10.8.2017, 17.8.2017 und am 24.8.2017 jeweils um 20:30 Uhr an der Ecke Jonasstraße / Selkestraße statt. (Bei schlechtem Wetter muss niemand im Regen stehen: Die Filme werden dann in der WerkStadt, Emser Straße 124 gezeigt)

Der Eintritt ist wie immer frei, aber über Spenden freut sich das Projekt.

Donnerstag 3. August 2017 – 20:30 Uhr: “Die letzte Sau”
Spielfilm , D 2016, 86 Min., Deutsche Originalfassung
Regie: Aron Lehmann

Es sind schwarze Tage für den schwäbischen Schweinebauern Huber. Seine geliebte Birgit zieht nach Ostdeutschland, und – noch schlimmer – sein Hof ist pleite. Die kleine Landwirtschaft kann nicht länger mit den Agrarfabriken konkurrieren. Um vor seinen Schulden zu fliehen, verlässt Huber seinen Hof – oder das, was davon noch übrig ist. Auf seiner Reise begegnet er vielen Menschen, denen es erging wie ihm, die unter den selbstzerstörerischen Regeln der heutigen Zeit leiden. Huber gräbt das Kriegsbeil aus. Seine Botschaft: “So gots net weida!” Ob mit der Flinte auf dem Dach der Polizei zu trotzen, oder reichen Schnöseln bei der Grillparty auf den Rasen zu kacken: “Die Welt ist ein scheißdunkler Ort. Man muss Leuchtfeuer anzünden.” Regisseur Aron Lehmann gelingt das Kunststück, sowohl authentischen anarchistischen Geist durch seinen Film wehen zu lassen als auch eine Atmosphäre beständigen Staunens zu generieren, ein Staunen über diese Welt, in der nichts mehr stimmt, eine Welt, die wieder geradegerückt werden muss. Souverän und ganz beiläufig verbindet der Film besten Unterhaltungswert mit gut getimter Komik.

Donnerstag 10. August 2017 – 20:30 Uhr: “We come as friends”
Dokumentarfilm, AUT/ F 2014. 110 Min., Englisch mit dt. Untertiteln
Regie: Hubert Sauper

We come as friends ist ein Trip, eine Odyssee, eine Reise ins Herzen Afrikas, die mehr an einen Science-Fiction-Film erinnert als an eine sachliche Reportage. Genau als sich der Sudan in zwei Staaten teilt, treten alte Muster wieder zutage: Kolonialismus, Interessenskonflikte zwischen Supermächten und (heilige) Kriege um Land und Ressourcen. Chinesische Ölfirmen, sudanesische Warlords, UN-Blauhelme und Amerikanische Missionare verflechten sich hier zu einem kaum zu entrinnenden Netz aus Ironie und Absurdität. Mit seinem Leichtbauflugzeug nimmt uns Regisseur Hubert Sauper, der auch schon in Darwin’s Nightmare ein absurd düsteres Bild dieses Kontinents gezeichnet hat, mit auf die Reise zu unglaublichen Orten und tief hinein in die Träume seiner Bewohner. Ein starkes, ein wichtiges Stück Kino.

Donnerstag 17. August 2017 – 20:30 Uhr: “Vergiss mein nicht”
Dokumentarfilm, D 2012, 92 Min., Deutsche Originalfassung
Regie: David Sieveking

David zieht wieder zu Hause ein und übernimmt für einige Wochen die Pflege seiner demenzerkrankten Mutter Gretel, um seinen Vater Malte zu entlasten. Mit dem Einverständnis der Familie dokumentiert er seine Zeit mit Gretel: David ist plötzlich Sohn, Betreuer und Dokumentarfilmer in einer Person. Seine Gegenwart und die Anwesenheit des Filmteams wirken erfrischend auf die Mutter, die endlich wieder Eigeninitiative entwickelt und neue Lebensfreude zeigt. Trotz ihrer zeitlich wie örtlichen Orientierungslosigkeit bleibt Gretel heiter und gelassen: Sie hält sich für eine junge Frau und David für ihren Mann Malte. David gelingt es, mit seiner verwirrten Mutter wunderbar lichte Momente zu erleben. Sie verliert ihr Gedächtnis, ihren Sinn fürs Sprechen, aber sie gewinnt etwas anderes: eine entwaffnende Ehrlichkeit und Unschuld, gepaart mit überraschendem Wortwitz und weiser Poesie. Als David zusammen mit Gretel in die Schweiz fährt, um Malte aus seinen Ferien abzuholen, gewinnen seine Recherchen an Brisanz. Hier lebten seine Eltern in den 70er Jahren. David begegnet alten Genossen und Weggefährten, erfährt pikante Geschichten aus dem Liebesleben seiner Eltern, von den Krisen ihrer „offenen Ehe“. Nun, am Ende ihrer mehr als 40-jährigen Beziehung, kommen sich Gretel und Malte so nah wie noch nie. Zum Hochzeitstag fährt das Paar nach Hamburg, wo ihre Liebe einst begann. Es wird ihre letzte gemeinsame Reise. Aus Gretels Krankheit entsteht ein Neuanfang, und aus Davids biografischem Filmprojekt wird eine Liebeserklärung an das Leben und die Familie – eine Reise in die Vergangenheit seiner Eltern, dem Schlüssel seiner eigenen Geschichte.

Donnerstag 24. August 2017 – 20:30 Uhr: “Der Bunker”
Spielfilm, D 2015, 85 Min., Deutsche Originalfassung
Regie: Nikias Chryssos

Ein junger Student zieht für eine unbestimmte Zeit zu einer Familie in einen Wohnbunker im Wald ein, um sich in der Isolation auf seine wissenschaftliche Arbeit zu konzentrieren. Doch die ehrgeizigen Eltern wollen, dass der Student ihrem Sohn Klaus unterrichtet und ihn zum Allround-Genie ausbildet, da sie für ihren Sprössling eine große Zukunft als amerikanischer Präsident planen. Durch das „Projekt Klaus“ zeigen der Student und die Eltern immer mehr ihre neurotische und sadistische Seite. Doch schon bald bekommen die strengen Erziehungsmethoden der Erwachsenen ein wahnwitzige und brutale Wendung. Der Film wirkt, als hätte David Lynch ein Drehbuch von Helge Schneider verfilm. Ein stilsicheres, düster-absurdes Kammerspiel das aus der oft so monotonen Filmlandschaft hervorsticht.

Mehr Informationen: WerkStadt , Emser Straße 124, 12051 Berlin